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Theater

Fritz Katers Stück erzählt deutsche Geschichte aus einer ganz eigenen Perspektive. Das Stück ist eine andere, überraschende Art der Reflexion über die Wunden des Krieges. Es geht um „normale“ Menschen, keine Helden der Geschichte. Agenten ihrer selbst. Vielleicht vergleichbar mit Fassbinder-Figuren: Menschen machen Geschichte, ohne dass ihnen das so richtig bewusst ist. Das hat mich im Kern berührt. Der 2. Weltkrieg wird oft nur moralisch reflektiert; das ist hier nicht der Fall. Es gibt keine Betroffenheit. Das Stück ist eher ein Vexierbild der Geschichte, das sich auch nach und nach nicht zu einem Ganzen zusammenfügt. Spuren der Geschichte, Versehrtheiten, verletzte Identitäten setzen sich in dieser „kriegsfuge“ fort über den langen Zeitraum von 1941 bis 1989. Sie klingen nach, wiederholen sich, werden weitergegeben. Eine Geschichte wie ein Krimi.

–Jossi Wieler

Schuld und Sühne (c)Chris Kondek

Schuld und Sühne (c)Chris Kondek

Mord ist nicht gleich Mord. Der, den der St. Petersburger Jurastudent Rodion Romanowitsch Raskolnikow begeht, ist ein philosophischer. Schliesslich dürfen aussergewöhnliche Menschen Aussergewöhnliches tun – denkt er. Der hochbegabte Student gerät erst in finanzielle Not und dann an eine raffgierige Pfandleiherin, Aljona Iwanowna. Sich ohne Gewissen wähnend, plant er akribisch den perfekten Mord.

„Schuld und Sühne“ nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewskij unter Verwendung der Übersetzung „Verbrechen und Strafe“ von Swetlana Geier für die Bühne bearbeitet von Sebastian Baumgarten und Ludwig Haugk. Regie Sebastian Baumgarten; Bühne Barbara Ehnes; Kostüme Marysol del Castillo; Musik Andrew Pekler; Geräuschemacher Gil Schneider; Licht Frank Bittermann; Video Chris Kondek; Dramaturgie Ludwig Haugk.

Schauspielhaus Zürich Schiffbau/Halle | Termine: Sa, 20. September (Premiere),  22., 23. 25 und 28. September sowie 1., 2., 4., 7., 8., 10., 11. 20., 21., 24., 25., 26. und 27. Oktober 2014